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Was sind evozierte Potenziale?





Als »Potenzial« werden elektrische Spannungsunterschiede bezeichnet, die in sehr schwacher Form auch in den Nerven- und Muskelzellen des menschlichen Körpers vorkommen. Sie können mit Elektroden abgeleitet und nach elektronischer Verstärkung aufgezeichnet werden. Beispiele für solche spontan auftretende Potenzialschwankungen sind das Elektrokardiogramm (EKG) und das Elektroenzephalogramm (EEG).
Als »evozierte« Potenziale werden solche bezeichnet, die nicht von alleine, sondern erst nach Anregung von außen oder Reizung auftreten. Da die einzelnen Reizantworten nur sehr schwach sind, müssen die zu untersuchenden Abschnitte des Nervensystems mehrfach hintereinander gereizt und die Antworten zusammengefasst werden. Damit erhält man eine durch technische Kunstgriffe von zufälligen Veränderungen und Störungen »bereinigte« und klar erkennbare Antwort. Die so »hervorgerufenen« Potenziale werden evozierte Potenziale genannt. Mit ihnen können gefahrlos und mit erträglicher Belästigung beliebig oft Teile des Nervensystems untersucht werden, und es lassen sich auch Störungen nachweisen, die entweder völlig unbemerkt oder früher abgelaufen sind, ohne dass ihnen eine Bedeutung beigemessen wurde.
Gemessen wird neben der Höhe oder Amplitude der Potenziale auch die als Latenz bezeichnete Zeit zwischen Reiz und Auftreten der Potenziale. Wegen der Schädigung der Markscheiden ist bei der MS sowohl eine Verlangsamung der Erregungsleitung im Zentralnervensystem (Latenzverzögerung) als auch eine komplette Leitungsunterbrechung (Potenzialausfall) möglich.
Untersuchungen der visuell und akustisch evozierten Potenziale (VEP bzw. AEP) sind schmerzlos, die Untersuchung somatosensibel evozierter Potenziale (SEP) kann wegen der notwendigen Stromstöße ebenso wie die Ableitung magnetisch evozierter Potenziale etwas unangenehm sein. Für die Ableitung werden sowohl auf die Haut geklebte Oberflächenelektroden als auch Nadelelektroden benutzt. Bei sachgerechter Durchführung ist der Einstich der Nadelelektroden in die Haut nicht schmerzhaft. Routinemässig werden in der MS-Diagnostik die visuell evozierten, motorisch evozierten, somatosensibel evozierten und die akustisch evozierten Potenziale angewendet.






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